Normalerweise sehe ich die meisten Reitturniere vom Pferderücken aus. Der Situation geschuldet, dass wir im Moment krankheitsbedingt pausieren müssen, habe ich dann doch nach längerer Zeit mal wieder ein Springturnier als TT begleitet - und zwischendurch ernsthaft an mir und meinem Hobby gezweifelt.

Wenn ich ein Turnier reite, dann bin ich selbst immer so in meinem Fokus versunken, dass ich vieles um mich herum ausblende und ich versuche mich voll auf mein Pferd und mein Reiten zu konzentrieren. Das ist mir an dem besagten Tag erst mal richtig bewusst geworden. Als TT bekommt man manche Situationen mit, die an einem Reiter vorbei gehen. Ich habe an dem Tag einen Perspektivwechsel mit gemacht: Vom Rücken der Pferde auf den  Boden der Tatsachen, im wahrsten Sinne des Wortes.

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Fangen wir mal mit dem Abreiteplatz an. Ich muss dazu sagen, dass wir uns gerade in einer Situation des Abreitens für ein normales L-Springen befinden. Ich fange vor einem Springen ungefähr zehn Pferde vor meinem Start an zu traben und zu galoppieren, bevor ich ein paar einzelne Sprünge mache. Ein schweifender Blick über den Abreiteplatz bereitete mir das erste Fragezeichen. Warum befinden sich hier schon vor Prüfungsbeginn knapp 20 Reiter in der Arbeitsphase? Was wollen die alle bis zu ihrem Start noch üben? Ich dachte immer, dass man dann aufs Turnier fährt, wenn zu Hause alles sitzt. Und dass man eben nicht zum Turnier fährt, um auf dem Abreitenplatz zu üben und noch ein x-tes Mal über den Oxer zu reiten. Die Sprünge auf dem Abreiteplatz sind auch oft grundsätzlich erstmal mindestens eine Klasse höher, als die im Parcours. Auch wenn das nicht erlaubt ist, man muss ja schließlich noch ordentlich üben vor der Prüfung.

Einige Reiter galoppieren dafür Runde für Runde in einem mehr oder weniger geregelten Tempo über den vollen Platz, als würden sie sich gerade mitten in einem Ausdauer – Intervalltraining befinden. Macht man all diese Dinge nicht zu Hause?

Dass man auf einem Turnier immer wieder bekannte Gesichter trifft, das ist keinem Turnierreiter neu. Da gibt es aber diese Reiter, die wirklich seit Jahren in der gleichen Klasse starten, dort auch erfolgreich sind, aber keinen weiteren Schritt nach vorne wagen. Ich habe noch vor Prüfungsbeginn gewettet, dass ich die spätere Siegerin schon weiß. Und was soll ich sagen? Hätte ich mal Geld gesetzt. In dieser Beziehung habe ich einfach irgendwie andere Ansprüche an mich. Aber herzlichen Glückwunsch zu 128. L-Sieg.

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Ein Pferd fiel mir auf an der gegenüberliegenden langen Seite. Die Reiterin trabte gerade an, als ich mich fragte, ob das Pferd nicht eine deutliche Lahmheit zeigt. Das tat es wohl, denn schon wurde die Reiterin von einer anderen Person angesprochen.„Der muss sich immer erst einlaufen.“ Und Zack, schon galoppierte die Reiterin an. Im Galopp sieht und fühlt man die Lahmheit nicht, dann kann man auch springen. Ist doch so, oder? Gott sei Dank befand sich zu dem Zeitpunkt ein aufsichtsführender Richter am Abreiteplatz, der zumindest dieses Turnier für die Reiterin beendete. Aber da muss man sich doch ernsthaft die Frage stellen, ob sie daraus wohl etwas lernt, wenn das Pferd sich IMMER erstmal einlaufen muss?

Da standen wir also am Einritt des Parcours und warteten auf den Start meiner Freundin. Aus dem Parcours kam uns eine völlig aufgelöste Reiterin entgegen, die sich noch halb trabend das Jacket aufriss, den Helm vom Kopf zog und förmlich wegschmiss und nur hysterisch schrie: „ATMEN! ATMEN! ICH BRAUCHE LUFT!“. Oh mein Gott, wo bin ich denn gelandet? Wird man hier zum Turnierreiten gezwungen? Macht man das alles nicht, um seinem Hobby nachzugehen und dabei im Idealfall auch noch Spaß zu haben?

Puh, die Zeit auf dem Turnierplatz hat mich ziemlich geschafft und vor allem zum nachdenken gebracht. Wofür machen wir das eigentlich alles? Ich mache es, weil ich eine Bewertung und eine Einschätzung über mein Training bekomme. Und weil ich Spaß daran habe, wenn ich merke, dass das Training in die richtige Richtung geht.

Vielleicht hattet Ihr ja auch schonmal eine ähnliche Situation? Dann schreibt sie uns doch gerne mal in die Kommentare! 

Bis bald 

Eure Theresa

Der Autor des Beitrags:
Theresa Mudlaff
Autor: Theresa Mudlaff
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