Aus mir unerklärlichen Gründen ist der Pferdeverkauf heutzutage immer noch ein Tabuthema. Über den Pferdekauf spricht jeder, kommt das Thema Pferdeverkauf auf den Tisch fallen mitunter entsetzte Blicke. Der Verkauf eines Pferdes als Privatperson gehört sich nicht.

Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass man nicht morgens aufsteht und sich sagt: „Heute verkaufe ich mein Pferd!“. Es ist ein schleichender Prozess, der sich über die Zeit entwickelt und einen schlussendlich die Entscheidung des Verkaufes treffen lässt.

Unsere Reiterwelt ist vielseitig, die Pferde sind es auch. Nicht immer kauft man sich das Pferd, welches zu einem passt, sei es nun charakterlich, reiterlich, aufgrund wiederkehrender Krankheitsgeschichte oder wegen der Ansprüche in das Hobby. Wenn ich dann höre „Du hättest ihn ja länger testen können!“, stellen sich mir die Nackenhaare auf. Heutzutage ist es kaum noch üblich, das Pferd zum Ausprobieren für einen längeren Zeitraum in den heimatlichen Stall zu stellen. Die wenige Zeit die zwischen Ausprobieren und der Kaufentscheidung liegt, reicht nicht aus um zu beurteilen ob es wirklich auch langfristig passt. Einige Verhaltensmuster und Schwerpunkte zeigen sich oftmals erst in der längeren Arbeit miteinander.11.03.12 002

In meinen Augen gehört viel mehr dazu den Entschluss zu fassen das Pferd in Hände abzugeben, die besser passen, als auf Biegen und Brechen alles zu versuchen, dass es doch klappt. Ich selber habe auch lange versucht, mit meinem Pferd klar zu kommen, zu einer Einheit zu werden. Für mich war immer wichtig, einen Allrounder im Stall stehen zu haben mit dem Schwerpunkt auf der Dressur. Ein Pferd, welches aber auch mal einen Sprung nimmt und vor Allem eins, welches auch gerne ins Gelände geht und mit dem ich auch mal übers Stoppelfeld galoppieren kann. Geworden ist es schlussendlich ziemlich genau das Gegenteil. Reines Dressurpferd, mit vier Füßen die in der Dressur beherrscht werden, aber sobald Stangen den Weg kreuzten nicht mehr wissen wo vorne und hinten, links und rechts ist. Ein Pferd welches im Gelände bei jeder noch so kleinen Gegebenheit, Geräusch oder Veränderung auf dem Boden die Bremse zog, auf dem Absatz auf den Hinterbeinen kehrt machte und in die heimische Box stürmte. Lange haben wir versucht, dies in den Griff zu bekommen. Sind immer wieder in Begleitung ausgeritten, haben viel über Stangen gearbeitet und sind nahe zu jede Dressurstunde bei Wind und Wetter draußen geritten. Doch auch nach dem jahrelangen Versuch zu einer Einheit zu werden, besserte es sich nur minimal. Er blieb glotzig, er drehte um und er war einfach nie die sichere Begleitung die ich mir wünschte. „Es passte“ schlichtweg nicht zwischen uns. Dies führte dazu, dass ich die Lust an meinem Hobby verlor. Ich bin nicht der Mensch, der jeden Tag in der Halle reiten möchte, nur damit mein Pferd nicht von Geistern verfolgt wird. Ich bin aber auch nicht der Mensch gewesen, die ihm die Sicherheit geben konnte, die er in diesen Situationen brauchte. Mir fiel die Entscheidung schwer, aber schlussendlich stand fest: Er braucht ein neues Zuhause!

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Bis der Entschluss fällt, ist es ein weiter Weg durchzogen von vielen Versuchen, neuen Ansätzen, kleinen Highlights aber auch großen Enttäuschungen. Man muss sich und seinem Pferd gegenüber fair sein, das ist man auch seinem Partner Pferd schuldig. Denn für beide Parteien ist ein „es passt nicht“ nicht der richtige Weg um weiter zu machen. Es bringt nichts, wenn das eigene Herz für die Dressur schlägt, das Pferd aber die Herzen in den Augen hat, wenn Sprünge in der Halle stehen und den Dressurlektionen nichts abgewinnen kann. In dieser Situation gibt es sicherlich einen Menschen, bei dem das Pferd es noch besser hat, wo es besser passt und harmoniert, wo das Interesse von Mensch und Pferd in die gleiche Richtung geht.

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Wenn es dann nicht passt, dann gehört zu der Entscheidung des Verkaufes weitaus mehr als nur der Satz: „Er/Sie steht zum Verkauf!“. Heutzutage gehört auch ein Stückweit Mut dazu, diese Entscheidung zu treffen und auch zu vertreten. Und auch heute ernte ich hier und da noch entsetze Blicke, wenn ich erzähle, dass ich mein Pferd verkauft habe. Inzwischen stehe ich über diesen Blicken und Sprüche, weil ich weiß, die richtige Entscheidung zum Wohle des Pferdes getroffen zu haben und ihn in Hände abgegeben habe, bei denen es einfach passt.

Wie sind eure Erfahrungen in Sachen Pferdeverkauf?

Liebe Grüße

Aileen

Der Autor des Beitrags:
Aileen Geerdts
Autor: Aileen GeerdtsWebsite: https://pferdetrends.com
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Ich bin verantwortlich für die pferdetrends-Homepage (visuelle Gestaltung, Blogbeiträge, Antworten auf eure vielen tollen Mails), Admin der pferdtrends & Reitertrends Facebook-Gruppe und pferdetrends Facebook-Seite

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