Aus persönlichem Interesse lese ich gerne Verkaufsanzeigen. In erster Linie, um zu sehen, dass viele Verkäufer ihre Pferde mit absolut fürchterlichen Bildern verkaufen wollen. Aber darum soll es heute nicht gehen. Oft lese ich bei Gesuchen „Keine Stute“ oder auch „keinen Fuchs“. Beides scheint auf dem Pferdemarkt oft eher unbeliebt zu sein. Wer will da schon die Kombination aus beidem? Fuchs und Stute - beides wollten wir damals auch auf keinen Fall, bevor wir Fine bekommen habe. Eine Fuchsstute.

In den letzten Jahren habe ich viele Fuchsstuten und Besitzer von Fuchsstuten getroffen. Alle sind sich einig: Fuchsstuten sind anders als andere Pferde. Irgendwie…kapriziöser. So wird man von oft Pferdeleuten gewarnt, dass Fuchsstuten einen ganz eigenen Charakter haben. Sie sind empfindlich, oft besonders zickig und einfach so eine richtige Diva. So ziemlich alle Fuchsstuten, die ich in den letzten Jahren kennen gelernt habe, sind in der Herde und im Umgang eher dominant. Sie lassen sich nicht einfach sagen, was sie tun sollen, Fuchsstuten diskutieren das aus. Und wenn sie im ganzen letzten Jahr 1000 Mal an einer Sache vorbei gegangen sind, dürfen sie sich selbstverständlich trotzdem eines Tages einfach davor erschrecken. Ist halt so. Zwang oder Gewalt ist übrigens keine Option. Das macht es eher schlimmer. Fuchsstuten wollen überzeugt werden. Und das ist oft harte Arbeit.

Kollage

Bei Fuchsstuten liegen Genie und Wahnsinn oft sehr nah beieinander. So findet man auch im großen Sport einige Fuchsstuten, auf die genau das zutrifft. Bella Rose wird auf der Internetseite von Isabell Werth als „ganz Dame“ beschrieben. Ihre Reiterin beschreibt ihre Fuchsstute so: „Sie weiß, wie schön sie ist und benimmt sich gerne mal wie eine Diva. Aber sie ist wohl auch das beste Pferd, das ich jemals unter dem Sattel hatte.“ Ein weiteres Beispiel ist die Fuchsstute Gladdys S, die ihrem Reiter zu einem Europameistertitel und zu zahlreichen Siegen in Großen Preisen und Nationenpreisen verholfen hat. Auf der Internetseite von Ludger Beerbaum wird sie mit folgenden Worten beschrieben: „Gladdys, die Diva. Die Aachener Soers betrat sie stets mit dem Hinterteil voraus, sie scheute und guckte, wenn es blinkte oder irgendwo eine Kamera blitzte. Charakterlich eher schwierig, doch mit außergewöhnlichem Vermögen ausgestattet. Eine Superstute!“ Noch ein Beispiel, aus einer ganz anderen Disziplin: Para-Dressur. Hanne Brenner beschreibt ihr Fuchsstute Women of the World in einem sehr langen Text auf ihrer Homepage. Unter anderem schreibt sie: „Was für ein Pferd! Sie hat im Viereck immer für mich gekämpft! Manchmal auch gegen ihre Überzeugung, die sie eigentlich ausflippen lassen wollte! Das haben wir dann bei der Siegerehrung oder auch beim Abreiten gemerkt. In der Prüfung nie!“

Bestimmt gibt es jetzt Reiter, die sagen „meine Rappstute ist auch zickig“ oder „mein Schimmelwallach ist auch zwischen Genie und Wahnsinn“. Und klar, ich kenne auch total bekloppte Stuten und Wallache andere Fellfarben, aber irgendwie ist das was anderes. Ich glaube, wirklich verstehen können mich hier nur die Füchsinnen-Reiter.

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Meine Fine habe ich mittlerweile schon seit über 13 Jahren. Mein ganz eigenes Phänomen. Rückblickend bin ich mir sicher, dass nicht ich mir das Pferd ausgesucht habe, sondern umgekehrt. Anders kann ich mir weder die Liebe auf den ersten Blick erklären, noch, dass ich als damals unerfahrene 14-Jährige nicht einmal von dem rohen Pferd geflogen bin. Das kam erst nach über einem Jahr. Dafür dann feste. Auch schon mal gerne durch oder über Sprünge. Reiterinnen-Weitwurf, Fines ganz eigene Disziplin. Auch heute noch setzt sie manchmal ihren Dickkopf durch. Im Stall anbinden wenn die anderen draußen sind? Heute nicht. Ich geh wieder. Oh, der Strick war neu? Ups… Aber ich habe auch viele wundervolle Erfolge mit ihr gehabt. Schweiß und Tränen investiert, aber sie hat es mir tausendfach zurückgezahlt. Denn, das haben auch die Beispiele oben gezeigt, auch das ist typisch für Fuchsstuten: Wenn man sie auf seiner Seite hat, gehen sie für einen durchs Feuer und kämpfen bis zum Ende. Ich will nie wieder ein anderes Pferd. Sollte ich eines Tages noch einmal darüber nachdenken, mir ein Pferd zu kaufen, wird es mit Sicherheit wieder eine phänomenale Fuchsstute.

Was habt ihr für Erfahrungen mit Fuchsstuten? Stimmt ihr mir zu?

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Bis bald!

eure Melina

Der Autor des Beitrags:
Melina Schnaudt
Autor: Melina Schnaudt
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Ich bin für euch meistens an der Tastatur unterwegs und verfasse jede Menge Berichte und Beiträge für euch. Ich schreibe euch hier eher kritische und sachliche Berichte, denn leider ist nicht alles immer wie auf dem Ponyhof.

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