Svenja und Fleur mal ganz privat – Ich habe meine Stute jetzt seit fast zwölf Jahren und es kommt mir vor wie gestern, als ich zitternd das Handy fast nicht öffnen konnte (Erinnert ihr euch noch an die Zeit, als man Handys zum Aufklappen hatte?) als der Anruf kam, dass sie jetzt wirklich mir gehören würde. Ich liebe mein Pferd über alles, aber sie ist unglaublich dominant. Das wusste ich von Anfang an, aber spätestens bei ihrem ersten Treffen mit anderen Pferden hätten wir dann gewusst wie der Hase läuft.

Ein dominantes Pferd ist ein Pferd das beispielsweise keinen Platz macht, wenn ihr durch wollt. Ein Pferd das nicht auf eine kleine Bewegung reagieren und ihren Platz dann auch verteidigen würde. Sie sehen sich als den Ranghöheren an. Mein Pferd ist früher auch mit einer üblen Laune auf die Koppel zu anderen und hat sie nur wegen ihrer schlechten Stimmung verkloppt. Die schlechte Laune kam meistens durch mich, weil ich sie ermahnt habe, ein bestimmtes Verhalten nicht toleriert habe oder ähnliches. Früher ist es mir total schwer gefallen mich richtig durchzusetzen und in den richtigen Momenten richtig zu reagieren.

Steiftier 4

Sie ist mit ihren (mittlerweile) 1,78 m eine sehr eindrucksvolle Erscheinung (Monster-Stute eben) und ihre ganze Persönlichkeit fasziniert mich nach wie vor. Sie ist selbstständig und hat immer ihren eigenen Kopf. Aber genau dieses dominante Verhalten, das ich eigentlich auch so an ihr mag, kann sehr schnell sehr gefährlich werden. Hier geht ess beim besten Willen nicht um eine Patentlösung für dominante Pferde sondern nur um unsere persönliche Geschichte. Sie braucht damals wie auch heute immer eine konsequente Hand, das heißt nicht, dass man sie schlagen soll, aber ein bestimmtes Verhalten löst bei mir immer eine bestimmte Reaktion aus. Zum Beispiel Scharren wird bei mir schon ohne aufzuschauen bestraft. Erst wird ermahnt, dann nochmal und wenn das auch nicht hilft, dann wird die Hand gehoben (und wenn alles nichts hilft gibt es einen Klaps). Das ist bei mir schon Reflex und nur, weil ich das schon über Jahre so mache. Natürlich zeugt Scharren nicht von Dominanz, aber das nehme ich hier nur als Beispiel.

Das konsequente Handeln betrifft alltägliche Dinge wie auf die Koppel führen. Mein selbstbewusstes Pferdchen würde natürlich am liebsten voraus gehen, immerhin geht der Chef immer an erster Stelle! Aber genau das darf natürlich nicht sein. Mit dreizehn Jahren war das noch nicht ganz so einfach zu verstehen, dass das Ganze absolut kein Spiel ist und die Fronten immer geklärt sein müssen. Mein Pferd war und ist meine beste Freundin, daran wird sich auch nichts mehr ändern, aber trotzdem musste ich ihr schon früh Grenzen aufzeigen und das ist bei ihr auch nicht mit einem Mal erledigt. Heute nach unzähligen gemeinsamen Jahren ist es immer noch nicht so hundert prozentig zu ihr durchgedrungen, dass ich IMMER vorne laufe und sie dann anhält wenn ich anhalte. Es sind Dinge, mit denen man irgendwann ganz normal umgeht. Ich weiß beispielsweise schon, dass ich sie die erste Woche mit einer Führkette zur Graskoppel bringen muss oder immer mal wieder kleine Übungen beim Führen einbaue. Dabei laufe ich und sie läuft mir hinterher (auch ohne Strick), muss aber auch anhalten sobald ich anhalte.

 

Drachen1

Ich habe durch meine Dicke unglaublich viel gelernt und seit Jahren ist die Korrektur eines Fehlverhaltens schon zur absoluten Routine geworden. Mein Pferd wollte ich definitiv nicht missen müssen, weil sie jeden Spaß mitmacht! Sie wird verkleidet, ich kann sie nur mit Halfter ausreiten oder mich in der Halle mal ohne Halfter, Sattel oder Trense drauf setzen. Fleur ist ein absolutes Verlasspferd geworden und ihr Charakter macht sie zu einer unglaublichen Persönlichkeit.

Deshalb, ein dominantes Pferd ist noch lange kein unhändelbares Pferd! Und trotz absoluter Chef Aura traut sie sich immer noch nicht durch ihren Paddock Vorhang oder versteckt sich hinter mir.

 

Liebe Grüße,

Svenja & Fleur

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Autor: Svenja Frick
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