Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber ich kann heute nicht mehr wirklich sagen, warum ich angefangen habe zu reiten. Ich war fünf Jahre alt, meine Schwester ist zweimal pro Woche Schulbetrieb geritten und ich wollte aus irgendeinem Grund auch. Wahrscheinlich, wie es bei kleinen Mädchen so ist, weil ich meiner Schwester nacheifern wollte.

An meine erste Reitstunde kann ich mich allerdings noch gut erinnern. Ich habe auf einem riesigen Schimmel namens Adler gesessen und habe im Trab aus vollem Hals gelacht. Ein kleines Mädchen auf einem riesigen Pferd, das sich einfach scheckig lacht. War bestimmt ein witziges Bild.

Diese erste Reitstunde ist jetzt ziemlich genau 23 Jahre her. Mittlerweile stehe ich an der anderen Seite der Longe, denn seit einiger Zeit kommt das Nachbarskind meiner Mutter etwa einmal die Woche zum Reiten. Louisa ist sieben Jahre alt hat noch zwei kleine Schwestern, Zwillinge, ca. fünf Jahre alt. Die drei wollten vor einigen Wochen einmal mit zum Stall, so gab es einen Familienausflug. Kurzerhand wurde Tiffy (22 Jahre alt, Deutsches Reitpony) fertig gemacht und weil die Familie ein bisschen spät dran war, habe ich Fine auf der Stallgasse stehen gehabt und geputzt. Das erste, was ich hörte, war: „Ich möchte das große Pferd reiten!“ „Ich auch!“ Kein Problem, also beide gesattelt und immer abgewechselt, sodass jeder mal Fine (1,69 m) und mal Tiffy (ca. 1,52 m) reiten konnte. Am Ende kam Louisa dann zu mir und hat mich gefragt, ob sie bei uns reiten lernen darf. Wer könnte da nein sagen?

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Wenn ich die Kurzen mit den Pferden beobachte sehe ich immer großes Vertrauen, viel Neugierde und einen Riesenspaß daran, mit den Pferden umzugehen. Mit jeder Woche, die die „Große“ zu uns kommt, lernt sie mehr. Sie kann jetzt schon freihändig an der Longe galoppieren (was bei Tiffy wirklich nicht leicht ist, denn sie hüpft wirklich unbequem), Schritt und Trab kann sie auch schon ohne Longe und sie kratzt sogar alle vier Hufe alleine aus. Auch von der und auf die Wiese kann Louisa Tiffy alleine führen. Ihre Eltern haben deutlich mehr Angst als die Kinder, deswegen wird Louisa meistens nur gebracht und wieder abgeholt und es gibt nur zwischendurch Vorführungen, was wir wieder neu gelernt haben. Und das wird jedes Mal mehr, denn Louisa lernt unheimlich schnell und traut sich auch immer mehr zu.

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Sowohl Fine als auch Tiffy sind übrigens alles andere als klassische Kinderponys. Beide Stuten haben ihren eigenen Kopf, beide können auch mal frech sein. Mit den Kindern sind beide absolut brav. Immer. Manchmal hab ich den Eindruck, die beiden passen auf, damit den Zwergen bloß nichts passiert. Eine Ausnahme? Ist es Zufall, dass so viele Kinder, so gerne reiten obwohl, und das schwingt natürlich immer mit, bei einem so großen Fluchttier so viel passieren kann?

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Ganz klar nein! Pferde sind tolle und sensible Tiere, für die man keine Kraft braucht. Kinder wachsen an dem Umgang mit dem Pferd, werden selbstbewusster, wenn sie merken, dass so ein großes Tier ihnen folgt und macht, was man von ihnen möchte. Dass Pferde einen großen Wert für Kinder haben, hat kürzlich auch eine Studie der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) gezeigt. Reiten prägt den Charakter. Reitende Kinder entwickeln mit der Liebe zum Pferd Verantwortungsgefühl, Zuverlässigkeit und Disziplin. Außerdem bringen Pferde den Kindern Empathie und Einfühlungsvermögen bei. Nicht zuletzt bringt Reiten Kinder in Bewegung, weg vom Sofa, weg von der Playstation, in die Natur und fördert dabei Balance und Feinmotorik. Jetzt gibt es eine neue Initiative der FN. „Pferde für unsere Kinder“ möchte mehr Kindern den Weg zu den Pferden ermöglichen. In 10 Jahren soll jedes Kind in Deutschland die Möglichkeit haben, in seiner Entwicklung vom Pferd zu profitieren. In einem wunderschönen Video stellt die Initiative sich vor und vermittelt einen Eindruck davon, wie wertvoll Pferde für Kinder sind.

Louisa möchte übrigens, sehr zum Leitwesen ihres Vaters, einmal Springreiterin werden. Bis dahin müssen wir natürlich noch ein bisschen üben, aber über Tiffys Freudenhüpfer beim Galopp lacht sie schon und fasst dabei nicht einmal mehr an den Sattel. Runtergefallen ist sie noch nie. Aber auch das wird sicherlich irgendwann einmal passieren. Aber schon jetzt weiß sie, dass man dann wieder aufsteigen und weiterreiten muss.

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Einmal war Tiffy ein bisschen unruhig, rossig, ihr Kumpel auf der Weide und sie hatte überhaupt keine Lust auf dem Platz zu arbeiten. Stute halt. Schon stand Tiffy Louisa auf dem Fuß. Zwar ist Tiffy nicht beschlagen und der Reitplatzsand hat das meiste Gewicht abgefedert, aber der Schreck war natürlich groß und weh tun Pferdehufe ja auch trotzdem. Ein paar Tränen sind geflossen, also schnell den Stiefel aus und den Fuß in einen Eimer Wasser. Irgendwann sagt Louisa: „Ist wieder gut. Zum Glück war es das leichteste Pferd im Stall“, zieht sich Socken und Stiefel wieder an und setzt sich aufs Pferd. Denn auch das bringen uns die Pferde bei: Unfälle passieren. Pferde sind Lebewesen, die sind nicht immer gleich gut drauf. Wenn mal was passiert, abhaken und weitermachen. Und immer einmal öfter aufstehen als fallen.

Bis bald!

Eure Melina.

 

Der Autor des Beitrags:
Melina Schnaudt
Autor: Melina Schnaudt
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Ich bin für euch meistens an der Tastatur unterwegs und verfasse jede Menge Berichte und Beiträge für euch. Ich schreibe euch hier eher kritische und sachliche Berichte, denn leider ist nicht alles immer wie auf dem Ponyhof.

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