Wenn man im Reitsportgeschäft vor den Gebissen steht, sieht man oft den Wald vor lauter Bäumen nicht. Dicke, dünne, teure, günstige, Stange, einfach oder doppelt gebrochen, Gummi, mit Geschmack, mit oder ohne Hebelwirkung und jedes in tausend verschiedenen Materialien. Von den ganzen Möglichkeiten einer gebisslosen Zäumung mal ganz abgesehen, woher weiß ich, welches das jetzt das Richtige für mein Pferd ist?

Ich bin in der bequemen Lage, dass Fine sehr genügsam und weich im Maul ist. Eine stinknormale, günstige, doppelt gebrochene Wassertrense und sie läuft. Allerdings habe ich schon seit vielen Jahren Gummi-Gebissringe am Gebiss, damit ich ihr das Gebiss nicht seitlich aus dem Maul ziehe, wenn ich mal eine deutlichere Parade gebe. Dressur, Springen und Gelände, sie läuft prima. Auch wenn man dressurmäßig auf Kandare reitet, läuft sie gut. Weil das so ist, habe ich auch nie groß was anderes ausprobiert. Ich kann mir nicht vorstellen, dass sie mit etwas anderes im Maul besser oder zufriedener laufen würde. Manchmal reite ich auch gebisslos, auch das geht ziemlich gut, aber dressurmäßig läuft sie mit meiner doppelt gebrochenen Wassertrense besser.

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Natürlich ist die Gebisswahl sehr stark pferdeabhängig. Beispielsweise bei Anlehnungsproblemen sollte man Alternativen testen. Vielleicht gibt es ja bei euch im Stall Reiter mit anderen Gebissen, die eurem Pferd passen. Dann könnt ihr ohne Geld auszugeben einfach rumprobieren. Aber es kommt nicht nur auf das Pferd an, sondern vor allem auf die Reiterhand. Reitet eure Reitbeteiligung noch mit sehr unruhiger Hand? Dann ist ein besonders weiches Gebiss für euer Pferd angenehm. Die nächste Frage, die ihr euch stellen müsst, ist: Was wollt ihr erreichen? Wollt ihr die Aufrichtung verbessern, dann könnte ein Olivenkopfgebiss oder eine Schenkeltrense das Richtige sein. Hier eine kleine Übersicht über die gängigsten Gebisstypen:

Eine Wassertrense gibt es wie die meisten Gebisse in einfach oder doppelt gebrochen. Beim einfach gebrochenen Gebiss sind zwei gleich lange Teile mit einem beweglichen Gelenk verbunden. Bei der doppelt gebrochenen Variante verbindet die beiden Teile noch ein kürzeres Zwischenstück. Dadurch liegt die Trense anatomisch besser im Maul und drückt weniger auf die Zunge des Pferdes. Bei einfach gebrochenen Gebissen kann es zum sogenannten „Nussknackereffekt“ kommen, dass die Zunge eingeklemmt wird und das Gebiss an den Gaumen stößt.

Auch ein Olivenkopfgebiss gibt es in der einfach und der doppelt gebrochenen Variante. Die Gebissringe lassen sich hier, im Gegensatz zur Wassertrense, nicht verschieben. Dadurch sollen die Lefzen des Pferdes nicht eingeklemmt werden, wenn einseitig Druck auf den Zügel ausgeübt wird.Screenshot 2016 03 03 20 48 06 1

Unter der Schenkel– oder auch Knebeltrense versteht man ein bewegliches Gebiss, das an beiden Seiten einen etwas längeren Stab besitzt.  Wie auch das Olivenkopfgebiss verhindern die Anzüge, dass das Gebiss durch das Maul rutscht. Durch die stabile Lage im Pferdemaul bietet dieses Gebiss gute Unterstützung bei der Auf- und Geraderichtung des Pferdes. Um zusätzlichen Druck auf das Genick des Pferdes auszuüben, beispielsweise damit es sich mehr vorwärts-abwärts dehnt, können die oberen Schenkelhälften an den Backenstücken fixiert werden.

Mittlerweile gibt es immer mehr Gebisse, die noch stärker auf die Form des Pferdemauls eingehen, sind auf speziellen Materialien, die sich schneller erwärmen, um angenehmer für das Pferdemaul zu sein und es gibt ständig neue Innovationen zu entdecken.

Hört einfach in euer Pferd hinein und testet ruhig ein bisschen rum. Euer Pferd wird euch sagen, welches Gebiss ihm am besten gefällt. Oder lasst es weg. Ist manchmal auch ganz schön.

Vorurteile 1.4

Bis bald,

eure Melina.

Der Autor des Beitrags:
Melina Schnaudt
Autor: Melina Schnaudt
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