Haya bint al-Hussein ist im Moment wieder verstärkt in den Schlagzeilen. Bekannt ist sie unter dem Namen „Prinzessin Haya“, sie ist eine Tochter des verstorbenen jordanischen Königs Hussein I. und war von 2006 bis 2014 Präsidentin der Fédération Equestre Internationale, der Internationalen Reiterlichen Vereinigung, der FEI. Seit einigen Wochen ist Prinzessin Haya verstärkt in den Zeitungen, da sie nach Europa geflohen ist. Nachdem sie einige Zeit verschwunden war, ist sie jetzt in London aufgetaucht, wo sie Asyl und das Sorgerecht für ihre Kinder beantragt hat. Doch was war passiert?

Kurz zum Werdegang von Prinzessin Haya: Sie eröffnete am 20. August 2006 die Weltreiterspiele in Aachen. Im Jahr 2010 wurde sie von der FEI-Generalversammlung mit großer Mehrheit wiedergewählt. Zuvor war sie auch schon als Springreiterin erfolgreich und ist mit einem hohen Tier des Distanzsports verheiratet: Mohammed Bin Rashid Al Maktoum, Herrscher des Emirats Dubai und Vizepräsident sowie Premierminister der Vereinigten Arabischen Emirate. Das Paar hat eine elfjährige Tochter und einen siebenjährigen Sohn.

Haya forderte vom Gericht zum einen eine Schutzverfügung gegen Zwangsehen für ihre Tochter Al Jalila (11) und ihren Sohn Zayed (7) und zum anderen gerichtlichen Schutz vor Belästigung. Wie es in verschiedenen Medien heißt, hat sie außerdem vor Gericht angegeben, in eine Zwangsehe mit Mohammed gedrängt worden zu sein. Sie ist die sechste Frau von Scheich Mohammed. Dieser gibt als Grund für die Flucht und die anstehende Scheidung an, Haya habe „unangebrachten Kontakt“ mit dem Sicherheitspersonal gehabt. Anderseits wird berichtet, der Bodyguard habe ihr lediglich bei der Flucht geholfen. 

Prinzessin Haya ist die einzige Frau, die jemals eine Medaille bei den Panarabischen Reiterspielen gewonnen hat; in der Einzelwertung der Springreiter im Jahr 1992 gewann sie Bronze. Im Jahr 2000 startete sie als Springreiterin bei den Olympischen Sommerspielen in Sydney und trug bei der Eröffnungsfeier die Fahne der jordanischen Mannschaft. 2002 in Jerez war sie die erste arabische Frau, die an den Weltreiterspielen teilnahm.

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Bei der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele 2002 in Sydney trug Haya die jordanische Fahne (Foto: HRH Princess Haya Bint Al Hussein 2010-2019)

 

Sie war als Präsidentin der FEI nicht unumstritten, denn während ihrer Amtszeit wurden bei den Distanzpferden ihres Mannes Mohammed Al Maktum zahlreiche Dopingfälle bekannt. Hinzu kommen regelmäßig Berichterstattungen zu tierquälerischen Zuständen im Distanzsport wie schwerwiegenden Verletzungen, vor allem Ermüdungsbrüche, Pferde, die nach dem Rennen eingeschläfert werden müssen, Wettkampfbetrug, Korruption und Missachtung der Funktionäre. Diese, nennen wir es Interessenkonflikte, zwischen ihrer Position als Ehefrau und ihren Aufgaben in der FEI war sie sich durchaus bewusst, weshalb sie früh Befugnisse an die Vizepräsidenten und den Vorstand delegierte. Gleichzeitig hat Haya aus ihrem Umfeld Millionen an Sponsorengeldern akquiriert und dem Weltverband ein repräsentatives Gebäude in Lausanne gestiftet.

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Prinzessin Haya war erfolgreiche Springreiterin (Foto: HRH Princess Haya Bint Al Hussein 2010-2019)

 

Prinzessin Haya ist Mitglied des Ehrenkomitees der Spanischen Hofreitschule, seit Anfang 2011 Repräsentantin der Fegentri, des Weltdachverbandes der Amateurrennreiter und Athletenbotschafterin der Entwicklungshilfeorganisation Right to Play.

 

Doch all das tritt nun in den Hintergrund. Der Scheich soll von Großbritannien die Auslieferung seiner Frau gefordert haben, doch das Vereinigte Königreich hat darauf nicht reagiert. Die Prinzessin hat einen privaten Sicherheitsdienst engagiert, denn sie fürchtet, von Handlangern des Scheichs entführt und zurückgeholt zu werden. Diese Furcht ist nachvollziehbar, wenn man bedenkt, dass Scheich Mohammed in den vergangenen Jahren bei der Flucht zwei seiner Töchter bereits hart vorgegangen ist. Er soll sie "mit brutaler Gewalt" zurückgeholt haben. Einer der beiden Töchter, Latifa, soll über ihren Vater gesagt haben: "Er ist der Teufel, es gibt nichts Gutes an ihm. Er tötet Menschen, um seinen Ruf zu schützen.“

 

Umstritten oder nicht, wir wünschen Haya, dass sie und ihre Kinder in Sicherheit sind und bleiben.

 

Habt ihr die Geschichte verfolgt? Was denkt ihr darüber?

Bis bald

eure Melina

Der Autor des Beitrags:
Melina Schnaudt
Autor: Melina Schnaudt
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