„Ein Pferd hat ein Hirn, so groß wie eine Walnuss! Wenn du nicht sofort lobst, hat es schon vergessen, wofür es gelobt wird!“, kaum ein Satz ist mir von meinem ehemaligen Springtrainer so sehr in Erinnerung geblieben. Ich habe keine Ahnung, wie groß das Hirn eines Pferdes ist. Ich bin mir aber sicher, dass mein Trainer mit dem unmittelbaren Lob Recht hatte. Allerdings bin ich mir auch sicher, dass das nichts über die Intelligenz von Pferden zu tun hat. Wir Reiter wissen schon längst, dass Pferde schlau sind. Jeder von uns hat bestimmt das klügste der Welt. Aber wie klug sind Pferde?

Habt ihr schon einmal von Hans gehört? Hans war ein schwarzer Araberhengst, der es sogar auf die Titelseite der New York Times schaffte. Er konnte rechnen, den Wochentag benennen und auch die Uhr lesen. Er konnte sogar zählen, wie viele Damen im Publikum einen Strohhut trugen. Hans wurde von seinem Besitzer in einem Berliner Hinterhof vorgestellt und wurde so weltberühmt. Bis ein Universitätsprofessor dem Hengst Scheuklappen verpasste und er plötzlich nicht mehr so „klug“ war. Der Grund: Hans hat die Mimik seines Besitzers gelesen und entsprechend reagiert. Senkte der den Kopf nach einer Frage, wurde mit dem Huf aufgestampft. So lange, bis er den Kopf wieder hob. Was für die Wissenschaft und die Allgemeinheit ein Beweis dafür war, dass Hans nicht so schlau war, wie gedacht, ist für mich genau das Gegenteil. Wie aufmerksam muss ein Pferd sein, um so kleine Bewegungen erkennen zu können? Und Kommandos so differenziert auszuführen? Und das alles vor Publikum, wo mit Sicherheit auch genug Ablenkung gewesen wäre?

pixabay verbeugung

Pferde, nicht nur Hans, sind höchst sensibel und verständig. Wissenschaftler sind sich mittlerweile einig, dass Hans vielleicht kein Pferde-Einstein war, aber ein empfindliches Wahrnehmungsvermögen besaß, womit er feinste Bewegungen interpretieren konnte. Auch diese Form der sozialen Intelligenz ist Klugheit. Bei Streitigkeiten in einer Herde greifen einige Pferde regelmäßig ein, um zu schlichten, zu bestrafen oder eine Wiedergutmachung herbeizuführen. Das konnte ich tatsächlich auch schon in unsere kleinen Herde beobachten. In einem Round Pen folgen sie ihrem Trainer schneller wenn sie zuvor ein anderes, ranghöheres Pferd ihrer Herde bei dieser Übung gesehen haben. Oder sie lernen durch Beobachtung, wie man eine Futterbox öffnet. Auch dass Pferde auf ihren Namen reagieren, also ihren Namen kennen und den auf sich beziehen, ist ein Zeichen von Intelligenz.

IMG 6188

Habt ihr schon mal erlebt, wie vorsichtig Pferde mit kleinen Kindern sind? Bei uns am Stall reitet eine Familie, Zwillinge 6 Jahre alt, die große Schwester, 8 Jahre alt und die Mutter. Die Zwillinge können Fine und Tiffy ohne Longe auf dem Platz problemlos Schritt und Trab reiten, die würden nie einen Schritt zu viel machen. Sitzt die „Große“ drauf, wird neuerdings auch schon mal ein bisschen Quatsch gemacht, die reitet nämlich schon recht gut und ist ziemlich sattelfest bei etwas Übermut und kleinen Bocksprüngen. Im Internet gibt es verschiedene Tests, mit denen man die Intelligenz seines Pferdes testen kann. Ich werde das bei Gelegenheit mal ausprobieren, wobei Fine für mich eh immer die schlauste sein wird.

Bis bald,

eure Melina