Jeder von uns stand wohl schonmal an dem Punkt, an dem man sich sicher ist, dass irgendwas nicht stimmt. Das Pferd biegt sich nicht mehr richtig, geht nicht so über den Rücken wie sonst oder springt nicht mehr. Wen ruft man dann? Möglichkeiten gibt es viele. Heute beschäftigen wir uns mal mit Osteopathen, Chiropraktikern und Physiotherapeuten.

Osteopathie behandlet den Körper als Einheit, alle Strukturen und Funktionen sind demnach miteinander verknüpft. Für Osteopathen ist der Körper wie ein Uhrwerk, in dem ein Rädchen ins andere greift. Hakt es an einer Stelle, kann das Auswirkungen auf den gesamten Organismus haben. So kann beispielsweise eine Blockade des ersten Halswirbels zu Problemen in der Vorderfußwurzel führen. Osteopathie ist eine manuelle Behandlungstechnik. Der Therapeut nutzt allein seine Hände, um Bewegungseinschränkungen zu ertasten. Diese können durch Unfälle, Stürze oder Gelenkblockierungen entstanden sein, aber auch eine Folge sein von Muskelverkürzungen, Muskelverspannungen, Narben-, Bänder- oder Gelenkverklebung. Mit Hilfe seiner Hände versucht der Therapeut, die Blockaden zu lösen. Laut Deutschem Institut für Pferdeosteopathie ist das Haltungs- und Bewegungssystem mit allen wichtigen Funktionskreisen des Körpers eng verbunden. Daher zeigt die osteopathische Behandlung auch Wirkung auf Atmung, Herz-Kreislauf, Stoffwechsel und Psyche.

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Das Ziel jeder osteopathischen Behandlung ist ein Mobilitätsgewinn, also das Wiedererlangen der natürlichen Bewegung. Bei jeder Behandlung macht sich der Therapeut zuerst durch Beobachten und Ertasten einen Eindruck von der Beweglichkeit des Pferdes. Hierbei geht es um die Beweglichkeit der einzelnen Gelenke. Nach der gründlichen Bestandsaufnahme entscheidet der Therapeut, welche Techniken er anwendet und welche Strukturen er manipuliert. Durch Manipilation wird die Beweglichkeit der Gelenke wiederhergestellt, indem durch das Lösen ein Impuls gegeben wird, der die Selbstheilungskräfte des Körpers in Gang bringen soll. Auch wenn oft von „einrenken“ gesprochen wird, ist das Quatsch, denn es handelt sich nur um das Lösen von Blockaden.

Osteopathie und Chiropraktik haben grundsätzlich das gleiche Ziel. Ziel der Chiropraktik ist wieder die optimale Beweglichkeit und Nervenfunktion wieder herzustellen und zu erhalten. Die beiden Therapien unterscheiden sich durch die Techniken. Die Chiropraktik ist eine sanfte manuelle Therapie und kommt ohne große Hebel aus, die die Osteopathie ausmachen. Der Chiropraktiker arbeitet vor allem an kleinen Gelenken der Wirbelsäule, deren Verbindung zum Becken sowie in unmittelbarer Nähe der Gliedmaßengelenke. In der Umgebung der kleinen Gelenke befinden sich Muskeln, die über eine Vielzahl von sogenannten Mechanorezeptoren Informationen darüber an das Gehirn liefern, wie sich der Pferdekörper im Verhältnis  zum Boden und im Raum verhält. Zieht diese Muskulatur auf der einen Seite mehr als auf der anderen, kommt es zu Blockaden. Diese Blockade wird durch einen sanften, aber sehr schnellen Impuls auf die betroffenen Muskeln gelöst. Dadurch wird der betroffene Mechanorezeptor „resettet“ also „auf Null gesetzt“. Dadurch wird dem Gehirn signalisiert, dass das der behandelte Bereich „neu ausbalanciert“ werden muss.

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Die Physiotherapie hat das gleiche Ziel: Die Beweglichkeit und Funktionsfähigkeit des Körpers zu verbessern bzw. wieder herzustellen. Hier gibt es zwei Teilbereiche: Die Krankengymnastik und die physikalische Therapie, bei der die Muskelgruppen unter anderem massiert werden. Bei der Physiotherapie stehen nicht die Gelenke, sondern Gelenke im Vordergrund, sondern der aktive Bewegungsapparat mit Muskeln, Sehnen und Bändern im Vordergrund. Durch Massage beispielsweise wird so das ganze Pferd gelockert und auch Blockaden werden so gelöst. Welche Lösung die Beste ist? Da gibt es wahrscheinlich tausend verschiedene Meinungen. Meistens denke ich mir aber: Wer heilt, hat Recht.

Bis bald, eure Melina

 

 

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